16 Entwicklungsarbeit gegen den Artenschwund

Autor: Stefan Ehlert

Kampf dem Schwarzmarkt

Es mag eine überraschende Facette der Corona-Pandemie gewesen sein. Auf der Suche nach der Tierart, von der das Virus auf den Menschen sprang, rückten Schuppentiere in den Fokus. Weil ihre Körperteile als Glücksbringer und Aphrodisiaka gelten, sind sie die am meisten geschmuggelten und illegal gehandelten Säugetiere der Welt. Was zeigt: Illegaler Tierhandel kann schwere Folgen für Biosicherheit, Gesundheit und Wirtschafthaben – selbst wenn am Ende andere Tiere hinter Corona stecken.

Wo Tiere oder Tierteile illegal gehandelt werden – egal ob Bären, Affen, Nashörner oder Seepferdchen – ist Wilderei nahe und führt zu einem hohen Druck auf Tierpopulationen. Es locken hohe Verdienste: Ein Kilo des in der traditionellen chinesischen Medizin geschätzten Nashornhorns etwa bringt auf dem Schwarzmarkt bis zu 55.000 Euro. Um den rasanten Rückgang der Nashörner aufzuhalten (in den letzten Jahren wurden mehrere Formenausgerottet) wurden etwa in Südafrika, einem Hotspot der Nashornwilderei, wo Wildererbanden selbst Polizei und Justiz unterwanderten, erfolgreich Schutzmaßnahmen ausprobiert. Sie hatten auch mit Entwicklungspolitik und Friedenssicherung zu tun, denn hinter Wilderei steckt meist der Wunsch nach einem besseren Leben.

Gibt es genügend Einnahmen neben der Wilderei?

Doch auch hier könnte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung machen. Denn bisher ging es vor allem darum, Tourismus als alternativen Geldbringer zu fördern. Jetzt fehlen die Touristen und damit die Gelder für Ranger und Wildereikontrollen. Die Grenzen der Reservate werden durchlässiger, Wilderer kommen aufgrund von Amnestien frei.

Plötzlich werden die Nationalparks zu großen „Freilandlaboren“ in denen Naturschutzorganisationen gezeigt bekommen, ob ihre Arbeit etwas gebracht hat: Gibt es genügend Einnahmen neben der Wilderei? Ist die Achtung vor den Tieren groß genug geworden, dass jetzt nach anderen Möglichkeiten nachhaltiger Existenzsicherung gesucht wird? Oder bricht alles zusammen? Bekommen die Auftrieb, die sagen: Naturschutz in Nationalparks ist ohnehin ein kolonialer Ansatz, der den ansässigen Menschen die Ressourcen wegsperrt? Und schließlich: Sind Wilderei und illegaler Handel eigentlich auch ein Problem in Deutschland?

Die Gesprächspartner*innen dieser Folge

  • Mateus Matavula und weitere Anwohner*innen eines Dorfes in Mosambik (Afrika)
  • Nils Meyer, Senior Projektmanager, Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Frankfurt am Main
  • Anton Peez, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Frankfurt am Main
  • Dr. Kirsten Probst, Seniorberaterin für Biodiversität, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Eschborn
  • Anabela Rodrigues, M. Sc., Direktorin des World Wide Fund for Nature (WWF) in Maputo, Mosambik (Afrika)
  • Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer, Zoologische Gesellschaft Frankfurt